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Situation in Deutschland

Cannabis als Medizin

Cannabis ist eine berauschende Substanz, deren Konsum grundsätzlich gesundheitsgefährdend ist. Es ist deshalb ein wichtiges Anliegen der Bundes-regierung, den Missbrauch von Cannabis zu verhindern. Gleichzeitig ist es das Anliegen der Bundesregierung, die Versorgung mit cannabishaltigen Fertigarzneimitteln zu verbessern und schwerkranken Patientinnen und Patienten Zugang zu diesen zu ermöglichen.

Die Cannabisinhaltsstoffe Dronabinol und Nabilon sind nach Anlage III des BtMG verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Die Fertigarzneimittel Marinol® und Nabilon® können im Wege des Einzelimportes unter den Voraussetzungen des § 73 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes von einer Apotheke auf vorliegende Bestellung einzelner Personen und gegen Vorlage einer entsprechenden ärztlichen Verschreibung in geringen Mengen nach Deutschland verbracht, abgegeben und zu medizinischen Zwecken angewendet werden. Daneben sind im Rahmen der Erteilung von Ausnahmeerlaubnissen nach § 3 Abs. 2 BtMG Anwendungen von Cannabisextrakten und Cannabisblüten möglich. Hierzu können in Einzelfällen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Anträge auf Erteilung von Ausnahmeerlaubnissen zur Anwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken bei schwerkranken Patientinnen und Patienten oder zu wissenschaftlichen Zwecken gestellt werden.

Mit der 25. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften (25. BtMÄndV) hat die Bundesregierung, neben wichtigen anderen Regelungen zur Verbesserung der betäubungsmittelrechtlichen Rahmenbedingungen auf dem Gebiet der Palliativmedizin, die betäubungsmittelrechtlichen Voraussetzungen für die Zulassungs- und Verschreibungsfähigkeit cannabishaltiger Fertigarzneimittel geschaffen. Hierzu erfolgte eine differenzierte Umstufung der Position Cannabis in den Anlagen des BtMG. Fertigarzneimittel haben gegenüber anderen Anwendungs-formen von Cannabis insoweit Vorteile, als die Antragsteller im Rahmen des Zulassungsverfahrens nach den strengen Vorschriften des Arzneimittelrechts eine standardisierte Arzneimittelqualität, die Wirksamkeit über entsprechende klinische Studien und eine relative Unbedenklichkeit nachweisen müssen. Durch die beabsichtigte differenzierte Umstufung der Position Cannabis in den Anlagen des BtMG wird - neben den auf Rezepturbasis und im Wege des Einzelimportes nach dem Arzneimittelgesetz sowie im Rahmen von Ausnahmeerlaubnissen nach dem BtMG rechtlich zulässigen Anwendungen - eine weitere Therapieoption eröffnet.

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Konsumsituation

Im Jahr 2012 hat in Deutschland jeder dreizehnte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren (7,8 Prozent) mindestens schon einmal im Leben Cannabis zu sich genommen (Lebenszeitprävalenz). 5,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen konsumierten in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis (Zwölf-Monats-Prävalenz), 1,3 Prozent davon regelmäßig. Die Offenheit und Akzeptanz gegenüber dem Konsum von Cannabis ist gestiegen. Abhängigkeit von Cannabis oder missbräuchlicher Konsum dieser Substanz bestehen bei 0,5 Prozent der deutschen Erwachsenen. Cannabiskonsum ist bei den unter 25-Jährigen mittlerweile der Hauptgrund für eine ambulante und stationäre Behandlung sowie die Inanspruchnahme von Einrichtungen der Suchthilfe bei Problemen mit illegalen Drogen. Cannabis bleibt damit weiterhin das wichtigste Thema in der Prävention illegaler Suchtstoffe. Nach wie vor stellt es eine große Herausforderung dar, die Zielgruppe der regelmäßigen Cannabiskonsumentinnen und ‑konsumenten besser zu erreichen. Aber die Zahl derjenigen, die Hilfe suchen, ist gestiegen. Dies spiegelt sich wider in der hohen Nachfrage nach cannabisbezogener Beratung und Behandlung: 38,7 Prozent aller Klientinnen und Klienten haben Probleme mit ihrem Cannabiskonsum, bei den erstmaligen Behandlungen beträgt deren Anteil bereits fast 60 Prozent. Hochgerechnet ist davon auszugehen, dass rund 600.000 vorwiegend junge Menschen Probleme mit dem Konsum von Cannabis haben.

Detaillierte Zahlen zum Cannabiskonsum in Deutschland können dem jährlich von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogensucht (DBDD, www.dbdd.de ) veröffentlichten REITOX-Bericht, der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder dem Epidemiologischen Suchtsurvey des Instituts für Therapieforschung entnommen werden.

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Fachgespräch mit Expertinnen und Experten zu Cannabis am 19. März 2015

Auf Einladung von Marlene Mortler fand am 19. März 2015 ein Expertengespräch zum "Jugendlichen Cannabiskonsum und dessen gesundheitliche und psychische Folgen" im Bundesgesundheitsministerium in Berlin statt.

Bei dem  fachlichen Austausch wurde die Studienlage zu den Auswirkungen des Konsums von Cannabis bei Jugendlichen erörtert. Besonders im Blick standen zudem Fragen wie: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Hilfe im ambulanten und stationären Bereich? Welche Präventionsmaßnahmen haben sich besonders bewährt, mit denen riskant konsumierende Jugendliche frühzeitig für Hilfsmaßnahmen erreicht werden können?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern (etwa Frankreich, Italien, Großbritannien oder Spanien) ist der Cannabiskonsum in Deutschland weniger verbreitet. Ein problematischer Konsum ist innerhalb einer relativ kleinen Gruppe zu verzeichnen. 2,4% der jungen Männer konsumieren missbräuchlich; weitere 1,4% der jungen Männer sind abhängig. D.h. dieser Personenkreis ist besonders gefährdet und muss unter anderem durch generalpräventive Maßnahmen aufgeklärt werden. 

Die Experten machten deutlich, dass jugendlicher Cannabiskonsum die Entwicklung des heranwachsenden Gehirns beeinträchtigt und bleibende Schäden nicht auszuschließen sind. Die aktuelle Forschungslage belegt, dass vor allem im Jugendalter begonnener, hochdosierter, langjähriger und intensiver Cannabiskonsum mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen verbunden ist: Abhängigkeit, Entzugssymptome, kognitive Einbußen, Angststörungen und körperliche Schäden in der Lunge und am Herzen. Früher Cannabiskonsum kann Psychosen auslösen und/oder begünstigen. 

Etwa 10% der regelmäßigen Cannabiskonsumenten entwickeln eine Abhängigkeit; bei denen, die jung beginnen, steigt das Risiko der Abhängigkeitsentwicklung um das sechsfache an. In der Regel haben starke Cannabiskonsumenten zusätzliche Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen und Depressionen und andere Suchtprobleme. Jugendlicher Cannabiskonsum kann auch die Schulentwicklung negativ beeinflussen, bis hin zur Schulverweigerung oder dem Schulabbruch, mit entsprechenden lebenslangen Auswirkungen. 

Marlene Mortler: „Mir ist wichtig, dass unsere Kinder gerade in der Zeit, in der sie ihre volle Energie am nötigsten brauchen, sich nicht durch den Konsum illegaler Drogen gefährden. Die Studienergebnisse der letzten Jahre zeigen: Es gibt keine Belege dafür, dass Cannabiskonsum unbedenklich ist. Im Gegenteil: Gerade Jugendliche sind nachweislich besonders gefährdet. Mit guter, zielgruppenorientierter Präventionsarbeit können wir helfen, Kinder stark zu machen, nein zu sagen.“

Einig sind sich alle Expertinnen und Experten darin, dass Cannabis an Kinder und Jugendliche nicht abgegeben werden darf. Die gesundheitlichen Risiken sind zu groß. Daher ist es wichtig zu betonen: Wenn die Risikowahrnehmung des Cannabiskonsums zurück geht - etwa durch die falsche Botschaft, Kiffen sei harmlos - besteht die Gefahr, dass noch mehr konsumiert wird.

Weitere Informationen zum Fachgespräch finden Sie hier:
Vortrag Sven Kammerahl, Stadt Hamburg
Vortrag Peter Lang & Boris Orth; BZgA
Vortrag Peter Eichin, Villa Schöpflin gGmbH
Vortrag Doris Sarrazin, LWL-Koordinationsstelle Sucht
Vortrag Peter Lang, BZgA
Vortrag Dr. Eva Hoch, Candis
Vortrag Andreas Gantner, Therapieladen
Vortrag Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des DZSKJ; Hamburg-Eppendorf

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Cannabis, Marihuana und Co. – Warum eine Legalisierung nicht vertretbar ist

Cannabis ist eine berauschende Substanz, deren Missbrauch gesundheitsgefährdend ist. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat sich seit ihrem Amtsantritt mehrfach öffentlich dazu geäußert.

Marlene Mortler: „Als Drogenbeauftragte ist es meine Aufgabe, auf die Gefahren hinzuweisen. Besonders für Jugendliche dürfen die gesundheitlichen Risiken nicht unterschätzt werden, die durch viele Studien belegt sind.“

Immer wieder wird von interessierter Seite eine Legalisierung der Droge gefordert. Die Drogenbeauftragte hat dazu klar Stellung bezogen:
Marlene Mortler: „Eine Legalisierung von Cannabis ist aus gesundheitlicher Sicht nicht zu verantworten. Die Freigabe wäre ein falsches Signal, denn vor allem für junge Menschen bestehen erhebliche Gesundheitsrisiken durch Cannabiskonsum. Die Bundesregierung hält diese für zu groß, als dass eine Legalisierung zu verantworten wäre. Ein regelmäßiger Konsum von Cannabis führt teilweise zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, bis hin zu Psychosen und einer Abhängigkeit. Daher ist nicht die Legalisierung der richtige Weg, sondern gute Aufklärungsarbeit, wie sie etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln betreibt. Mit dem Programm „Quit the shit“ oder auch auf der Internetseite www.drugcom.de  ist die BZgA sehr erfolgreich und informiert und berät über die Gefahren und Risiken des Cannabiskonsums. Diese präventiven Ansätze stehen für mich im Vordergrund. Besonders für Jugendliche dürfen die gesundheitlichen Risiken nicht unterschätzt werden, da sich der Cannabiskonsum negativ auf die noch nicht abgeschlossene neurologische Entwicklung auswirkt. Dies ist durch viele Studien belegt.“

Ein weiterer Punkt spricht gegen eine Legalisierung: In der Drogenkonvention der Vereinten Nationen (VN), darunter Deutschland und auch die USA, haben sich 184 Staaten verpflichtet, den Umgang mit Cannabis und anderen Drogen ausschließlich zu medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecken zuzulassen. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es hierzu weltweit einen breiten Konsens.

Auch zur medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten hat sich die Drogenbeauftragte geäußert. Die derzeitige Rechtslage ist wie folgt: Nach dem Betäubungsmittelgesetz sind Anbau, Herstellung, Erwerb, Besitz, Ein- und Ausfuhr, Verkauf strafbar. Es gibt allerdings genehmigungspflichtige Ausnahmen für wissenschaftliche oder medizinische Zwecke, da Cannabis zum Beispiel bei der Behandlung von Multipler Sklerose zugelassen ist. Unter bestimmten engen Voraussetzungen können Patienten zudem zur medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb des so genannten „Medizinalhanf“ erhalten. Dieser wird in den Niederlanden unter staatlicher Kontrolle angebaut und in Deutschland in Apotheken abgegeben.

Zum Stichwort Eigenanbau sagte Marlene Mortler: „Hier sind derzeit Patientenklagen vor deutschen Verwaltungsgerichten anhängig. Den Ausgang der Verfahren werden wir sehr genau analysieren.“

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Prävention und Behandlung

In Deutschland stehen für Personen, die Cannabis konsumieren, ihren Konsum reflektieren, einschränken oder beenden wollen, zahlreiche Präventions-, Frühinterventions- und Ausstiegsangebote zur Verfügung. Die Bundesregierung fördert die Entwicklung, Durchführung und überregionale Implementierung solcher Angebote, u.a. durch die Finanzierung von Modellprojekten.

 

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Daten der Ermittlungsbehörden

Die Sicherstellungsmenge von Haschisch stieg 2012 gegenüber dem Vorjahr um 36,5 %, während die Sicherstellungsmenge von Marihuana um 24,9 % zunahm. Ein Teil des konsumierten Cannabis wird direkt in Deutschland – überwiegend in Indoor-Plantagen – angebaut. Der Umfang der im Jahr 2012 angebauten Menge ist im Vergleich zum Vorjahr von 619 auf 665 sichergestellte Plantagen angestiegen.

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