Projekt des Monats

Prävention von riskantem PC- und Internetgebrauch

"Netzgänger" ist ein Peer-gestütztes Projekt zur Prävention dysfunktionalen und pathologischen PC- und Internetgebrauchs bei Kindern und Jugendlichen.

Hintergrund
Computer und das Internet sind heute aus dem alltäglichen Leben kaum mehr wegzudenken. Wie selbstverständlich sind sie Teil unseres Alltags geworden. Aber sie bergen daher auch Risiken. Nach neuesten Studien wird die Internetabhängigkeit auf etwa 1% der Bevölkerung geschätzt, Tendenz steigend. Diejenigen, die einen solchen, riskanten Umgang mit Computern und dem Internet haben, flüchten sich oftmals in virtuelle Welten, in denen sie sich Ablenkung, Anerkennung oder Belohnung erhoffen, und dabei verlieren sie den Kontakt zur realen Welt. Soziale Kontakte, Schule oder die Arbeitswelt werden vernachlässigt. Den Risiken dieser noch relativ jungen Sucht muss rechtzeitig begegnet werden. Durch zielführende Präventionsprojekte gilt es, die Gefährdeten – insbesondere Kinder und Jugendliche – konkret anzusprechen und zu informieren.

Das Projekt
Netzgänger
ist ein Peer-gestütztes Projekt zur Prävention dysfunktionalen und pathologischen PC- und Internetgebrauchs bei Kindern und Jugendlichen. Peers sind Schülerinnen und Schüler aus höheren Klassenstufen, die im Rahmen des Projektes mit Fünft- und Sechstklässlern aus ihrer Schule in mehrtägigen Workshops arbeiten. Dazu werden sie in einem der Bereiche Virtuelle Spielewelten, Soziale Netzwerke und Cybermobbing ausgebildet und besuchen oft über die Zeitdauer von mindestens einem Schuljahr ein begleitendes Schulfach im Rahmen des Regelunterrichts („Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung“). Die Ausbildung zum Peer erfolgt anhand eines Manuals und vorbereiteten Lernmaterialien durch Studierende an der Universität Bamberg. Am Ende der Ausbildung sollen die Peers über Hintergrundwissen zu ihrem speziellen Themenbereich verfügen, die einzelnen Übungen und den Ablauf der Workshops kennen sowie über grundlegende Kompetenzen als Gruppenleiter verfügen. Die Peers verbleiben auch nach Abschluss der Intervention im Umfeld der Zielgruppe und stehen somit weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Dies führt zu einer hohen Nachhaltigkeit der Maßnahme. Das Team der Universität Bamberg ist in allen Projektphasen Ansprechpartner für Peers und Schulen.
Für eine risikoarme Internetnutzung sind soziale und lebenspraktische Kompetenzen erforderlich. Zur Vermittlung dieser Kompetenzen hat sich Netzgänger in der Praxis sehr bewährt. Eine Stärke des Projekts liegt darin, dass die Peers für die Zielgruppe Vorbildcharakter haben, sich bestens im Umgang mit den sich rasch ändernden Medien auskennen, authentisch sind, und dass die Schwelle, sich bei ihnen Unterstützung zu holen, niedrig ist. Wir gehen davon aus, dass die positiven Effekte des Projekts zu einem großen Teil auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den älteren und den jüngeren Schülerinnen und Schülern aber auch mit den Studierenden zurückzuführen sind.

Projektpartner
Netzgänger
wird seit 2009 von der Universität Bamberg in enger Kooperation mit den Medienpädagogisch-informations­technischen Beratern (MiB) in Bayern durchgeführt und fortlaufend weiterentwickelt. Das Projekt wurde 2011 als herausragendes Internetprojekt für den Klicksafe-Preis nominiert. Netzgänger wird im Zuge der Medienkompetenzförderung in Bayern vom Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert.

Durchführung und Koordination
Die Projektkoordination und wissenschaftliche Begleitung liegt beim Institut für Psychologie der Universität Bamberg (netzgaenger@uni-bamberg.de). Insgesamt konnten im Jahr 2013 etwa 600 Peers ausgebildet werden, die wiederum Workshops mit 3500 jüngeren Schülerinnen und Schülern durchführten. Es ist aufgrund der hohen Nachfrage seitens der Schulen davon auszugehen, dass die Teilnehmerzahlen weiter ansteigen werden.

Wirksamkeit
Die Wirksamkeit des Projekts wurde mit Genehmigung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst umfangreich wissenschaftlich evaluiert. Es konnte gezeigt werden, dass die Projektteilnahme zu signifikanten Veränderungen in präventions-relevanten Variablen sowohl bei den Peers als auch bei den Schülerinnen und Schülern der Zielgruppe führt.

Web:
www.netzgaenger.org
netzgaenger@uni-bamberg.de

Kontaktadresse
Prof. Dr. Jörg Wolstein
Universität Bamberg
Institut für Psychologie
Markusstr. 8a
96047 Bamberg
joerg.wolstein@uni-bamberg.de

Markusplatz: "Institut für Psychologie, Bamberg"

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Grafik: Lisa Gäbelein cybermobbing "Schutz vor Gefahren des Internet"

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"Das Netzgänger-Team: Julia Finmans, Andrea Tisch, Kerstin Helfrich, Isabella Dirnberger, Jörg Wolstein

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